maai - Distanz

Chris: Warum unterschiedliche Karatetechniken in Stilen?

Frage:

In den verschiedenen Karate Stilrichtungern existieren verschiedene interessante Techniken.
Im Shotokan wird alles oder das meiste auf langer Reichweite ausgeführt.
Dagegen gibt es ZB im Goju ryu viele Techniken in Naher Distanz wie das Kakie was an das Tuishou aus dem Taichi erinnert oder an das Chisao aus dem WingChun.
Enthällt auch das Shotokan all diese Techniken oder müsste ich um diese Techniken zu lernen zwei verschiedene Karate Systeme erlernen?

Antwort:

So, wie man in der Regel im „traditionellen“ Shotokan Karate Kihon lernt, würden die meisten Menschen nicht kämpfen. Schaut man sich dort aber das Bunkai zur Kata an, gewinnt man schon eher den Eindruck, daß sich vieles um den „infight“ dreht und eher nicht um die lange Distanz. Man muss beim Shotokan Karate auch immer bedenken, daß es als Budo Disziplin vielleicht mehr der „Leibesertüchtigung“ und der Disziplinierung gedient hat, als dem Kampf. Und auch das Kumite im Shotokan ist eine formalisierte, stark geregelte Form des Kampfes. Schaut man sich die Ursprünge des Shotokan an, also die Schulen, auf denen es aufbaut, werden diese Veränderungen besonders ersichtlich. Allerdings entwickelt man durch das Shotokan Kihon starke, schnelle Beine, einen stabilen Stand, einen massiven Rumpf und eine hohe Präzision. In den höheren Stufen, wenn die körperliche Fähigkeiten besser sind, die Techniken besser beherrscht werden, sind viele Bewegungen in Training und Kampf kürzer und höher und damit viel realistischer.

Heute gibt es viele Karate Lehrer, die auch im Shotokan verstärkt diese Diskrepanz aufgreifen und erklären.

Wenn Du einen Blick auf das Hojo Undo wirfst, wie es auch im Goju Ryu traditionell trainiert wird, erwartest Du ja auch nicht, daß jemand so kämpft, wie er diese „Formen“ trainiert, oder? Dieses Basistraining ist ja nicht die eigentliche Kampfkunst.

In den Shotokan Dojos findest Du viele verschiedene Ausprägungen: Von Budo, über Sportkarate bis Selbstverteidigung. Es kommt also eher auf die Wahl des Vereins / Dojo / Club an, als auf die Stilrichtung. Die meisten Dojos bieten sogar mehrere Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Mehr Richtung realistischer Kampf, sportlicher Wettkampf, oder Shotokan als Budo Disziplin.

Zwei Stile musst Du nicht lernen, allerdings dauert es im Shotokan unter Umständen länger, bis man den Kampf in der kurzen Distanz lernt.

Sportliche Grüße und OSS!

Andreas

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