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Kata – der Schlüssel zur Kampfkunst Karate

Kata bedeutet Form – oder Muster

In einer Kata werden Einzeltechniken nach einem definierten Ablauf ausgeführt. Technik, Stand, Blickrichtung, Atmung, Position im Raum – das sind einige Aspekte unter deren Betrachtung gelehrt, gelernt, ausgeführt und auch angewendet wird.

Die Kata ist ein Kampf gegen imaginäre Gegner*innen und als solche mehr als die Summe ihrer Techniken. Durch das Üben werden Bewegungsmuster eingeprägt, z.B. das Einleiten eines Haltegriffs oder die Ausführung eines Fegers und zum Beispiel Kombinationen gelehrt: Block – Konter-Angriff-Rückzug.

Die Bedeutung der Elemente ist mangels Aufzeichnungen zum Teil verloren, daher ist die Auflösung oft Auslegungssache und führt zu unterschiedlichen Erklärungen. Versteckte, bekannte Elemente werden den Schüler*innen für gewöhnlich ab einer bestimmten Stufe von der Meister*in erklärt. Das führt zuweilen auch zu einer gewissen Mystifizierung. Andere, nicht dokumentierte Elemente lassen sich auch durch die Betrachtung verwandter Kampfkünste isolieren und erklären, z.B. japanischer oder chinesischer Stile deren Dokumentation in größerem Umfang noch vorhanden ist.

Eine schöne Lektüre in diesem Zusammenhang ist das Bubishi, ursprünglich eine Aufzeichnung in Altchinesisch über alte chinesische Kampftechniken, mit dem Fokus auf Selbstverteidigung.

Shotokan Kata Videos zum Lernen!

Kanji Kata
Form

Die Kata verstehen

Man kann Kata „abspulen“, man lernt Bewegung und Rhythmus auswendig und führt die Abfolge der Bewegungen dann auf. Aber um eine Kata zu verstehen, braucht es mehr und langjährige Analysen und Versuche. Geduldiges Zuhören und Zusehen, ausprobieren und Anwendung. 

  • Bunkai – Zerlegung, Analyse, Verständnis
  • Oyo – Anpassung der Einzeltechniken zur Anwendung
  • Henka – individueller Ausdruck und individuelles Verständnis
  • Kakushi – Beschäftigung mit verborgenen Techniken

Nachfolgend ein paar Tipps, wie Du Dein Katatraining für Dich anders gestalten kannst.

Am Besten wählst Du Deine Lieblingskata aus, die Du dann 12 Monate lang unter neuen Bedingungen lernst. Dabei ist es von Vorteil, wenn Du störende, äußere Einflüsse minimierst, damit Du Dich auf das Wesentliche konzentrieren kannst.

Folgendes erwartet Dich:

Als Arbeitsgrundlage solltest Du über ein Katabuch verfügen, denn es wird so Einiges geben, was Du recherchieren willst. Wenn Du Fragen hast, melde Dich einfach.

Die Kata Videos

Zu den einzelnen Kata ist jeweils (mit Ausnahme der Taikyoku Kata) ein kleines mpeg Video vorhanden. Die technisch genaue Ausführung, der Rhythmus und die Betonung können je nach Dojo oder Stilrichtung variieren, um sich den Ablauf einzuprägen sind sie jedoch Gold wert.

Die im Handel verfügbaren Videos bieten unterschiedliche Perspektiven, Auflösung in Einzelbewegungen und zum Teil sogar Darstellung des Bunkai.

Kata Abläufe

Zu jeder Form gibt es ein Bild mit Ablauf und Embusen. Die Bilder sind auf der jeweiligen Seite zu finden.
Taikyoku Shodan
Kata Taikyoku Shodan

Klick auf das Bild, um zur Kata Seite zu gelangen
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Fiore Tartaglia Verlag Spectra. Die vollständige und ausführliche Version der Kata Abläufe ist in der Buchreihe Shotokan Kata von Fiore Tartaglia enthalten.

die Shotokan Kata

Elemente der Kata

Kata Name

Jede Kata trägt einen eigenen Namen. Zuweilen lässt sich von diesem Namen die Art der Ausführung ableiten (dai = groß, sho = klein), oder man erhält einen Hinweis auf eine besonders hervorgehobene Technik. Z.B.:

  • Hangetsu – die „Fußstellung“ Hangetsu Dachi wird besonders hervorgehoben
  • Empi – Flug der Schwalbe, die Kata soll agil und flexibel ausgeführt werden, wie der Flug einer Schwalbe

Den Namen, seine Bedeutung, die verwendeten Schriftzeichen und deren Übersetzung sollte man sich einprägen um ein besseres Verständnis für die Kata zu erreichen. Manchmal wird auch der Schwierigkeitsgrad angedeutet (Shodan, Nidan, Sandan).

Kata Ablauf

Die Techniken und deren Reihenfolge sind festgelegt, das gilt auch für die Blickwendung. Außerdem ist die Form der Atmung an die einzelnen Techniken gebunden.

Augen-Blick

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, mit der richtigen Technik, hierbei spielt der Blick eine große Rolle. Nur das, was wir gut sehen und erkennen können wir auch gezielt treffen. Das bedeutet, den Blick auch auf die nicht sichtbare Gegner*in zu richten und diese gezielt zu treffen. Die geistige Auseinandersetzung mit dieser Situation stärkt das technische Vermögen der Karateka.

Kata – Anfang und Ende

Wie im Karate üblich wird vor und nach Ausführung der Kata an- bzw. abgegrüßt. Die auszuführende Kata wird zuvor mindestens vom Karateka selber angesagt. Im Shotokan wird in der Grundstellung Shizentai begonnen. Der Zeitpunkt zur Ansage kann variieren (z. B. Tekki …, Bassai …: es wird erst eine andere Stellung eingenommen). Die Kata endet an der Stelle wo sie begonnen wurde, zumindest sollte man versuchen, den Ausgangspunkt nach Ausführung aller Techniken wieder zu erreichen. Ergänzend zur räumlichen Rückkehr, soll man auch geistig zum Ausgangspunkt, einer ruhigen aber wachsamen Haltung, zurückkehren.

Embusen

So bezeichnet man die Gesamtheit „der imaginären Linien“ auf denen man sich im Zuge der Ausführung bewegt. Man spricht auch vom Schrittdiagramm. Ziel ist, am Ende der Kata zum Ausgangspunkt zurück zu kehren.

Atmung

Als zentrales Element des Karate, hat die Atmung überragende Bedeutung. Ihr Einsatz bestimmt maßgeblich, ob die Ausführung ihrer Bestimmung nahe kommt. Die Verbindung von Atmung und Technik und ihre Ausprägung sind in der Kata formalisiert und beeinflussen direkt die Technik. Atmet man falsch, antwortet die Kata darauf, lange zeit habe ich Jion als „Abnoe Kata“ gemacht, bin am Ende fast umgekippt 😉 

Kiai

Besondere Stellen werden durch einen Kiai hervorgehoben. Technik und Atmung werden hier zu intensiver Kraftentfaltung bei maximaler Konzentration verbunden. Der Kiai wird auch als Kampfschrei bezeichnet.

Kime

Spannung – Entspannung, nutzten Karateka ihr Kime, spannt er zum Zeitpunkt der auftreffenden Technik die gesamte Muskulatur extrem an um sie sogleich wieder zu lösen. Kime hängt maßgeblich von der richtigen Atmung ab. Zudem sind Wachsamkeit und Konzentration stark erhöht.

Stärke und Schnelligkeit

Mit wie viel Kraft eine Technik ausgeführt wird und wie schnell, ob sie hart und kompromisslos oder weich und geschwungen ist, definiert die Kata.

Zeitliche Verbindung

Die einzelnen Techniken im Ablauf werden nicht nahtlos aneinandergereiht. Vielmehr sind sie im richtigen zeitlichen Zusammenhang auszuführen, dieser Zusammenhang wird besonders bei Betrachtung der praktischen Anwendung deutlich. So müssen z. B. Abwehr und Konter mit kurzem Abstand, aber Kiai und nachfolgende Technik mit größerem ausgeführt werden.

präzise Technik

Ist im Kampf Flexibilität und Spontanität gefragt, verlangt die Kata eine höchst präzise Ausführung aller Techniken, Bewegungen und Stellungen.

„nicht Denken“ durch ständige Wiederholung

Technik, Fähigkeiten im Kampf und unbewusste Reaktion auf Angriffe bedürfen ständiger Wiederholung einer Kata. Diese Konditionierung der Bewegungen macht sie so alltäglich wie gehen oder atmen, es geschieht „ohne Denken“.

Kampfgeist – Geisteshaltung

Ein*e Karateka muss bereit sein für den Kampf, das muss auch in der Kata sichtbar werden. Man muss spüren, daß ein*e Karateka im Ringen mit sich selbst bis zu Ende kämpft, mit voller Aufmerksamkeit und Konzentration, in absoluter Präzision bei vollem Kime in jeder Technik die absolute Technik suchen.

Kata Trainingstipps

Mehr Kata Videos gibt es hier.

Kata ist kein Tanz und kein Tamtam

In den letzten Jahren werden bei dem Versuch, das Karate zu vermarkten, Karateka in artistischen Aufführungen schaustellerisch durch die Luft katapultiert. Bei dieser neuen Form des Kata Wettkampf habe ich größten Respekt vor der sportlichen Leistung der Akteur*innen, aber oft mutiert die Kata dabei zum Tanz mit Hebefiguren, das pendelt sich hoffentlich bald wieder ein. 

 

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