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Feb 252012
 
 Karate – Über den Kampf  25. Februar 2012  Karatebücher Tagged with: , ,
Karate über den Kampf

Karate über den Kampf

Vorweg: Das Buch ist richtig gut und wer in seinen Trainingsalltag, oder sein Dojo frischen Wind bringen will, der sollte einen intensiven Blick wagen.

Besonders gefällt mir, daß der Autor dem Shotokan treu geblieben ist, obwohl er in anderen Karate Stilen, Kampfkünsten bzw. Kampfsportarten Vorteile bei Lehrmethoden und der daraus resultierenden Effektivität gesehen und gelernt hat. Diese transferiert er nun in die Shotokan Welt.

Beim lesen könnte man zunächst rot werden: Im Karate geht es um Kampf und das Ziel sollte sein, diesen zu gewinnen – geht man wirklich aus diesem Grund regelmäßig zum Training?

Ist man Karateka oder „Budo-Tänzer“?

Hart gegen sich und andere sein, Kampfgeist haben und kämpfen können – das Buch legt den Finger in eine Wunde des modernen Karate, hilft aber auch bei der Heilung:

Die meisten Karateka sind keine Kämpfer, sie sind Techniker.

Aber im Kampf ist, Zitat „Technik der unbedeutendste Teil“. Da man kämpft, wie man trainiert, sind viele Karateka nicht in der Lage wirklich zu kämpfen um zu siegen.

So sieht es der Autor und es stimmt wahrscheinlich auch.

Das Buch bietet mit seiner Fülle dem ambitionierten Karateka und jedem Trainer einen reichen Fundus gegen die Versportlichung:

Zurück zum Kontakttraining – die einzig gute Vorbereitung für einen Kampf.

Man liest zwischen den Zeilen aber auch eine andere Wahrheit:

Karate ist unter dieser Perspektive keine Erfindung für den bundesdeutschen Breitensport.

Wenn das eigentliche Ziel des Karate die „Ausschaltung“ oder „Tötung“ des Gegners im Kampf ist, dürfte der Raum in einer Gesellschaft wie unserer recht eng bemessen sein.

Der Ursprung des Karate, eine martialisch geprägte Gesellschaft die einen häufig in die Situation der Verteidigung des eigenen Lebens drängt, findet sich in unseren Breitengraden und diesen Zeiten weniger, auch wenn die Medien Gewalttaten in unmittelbare Nähe Rücken.

Die Tage des Ikken Hissatsu – Töten mit einem Schlag – sind vorbei!

Doch mit welcher Konsequenz trainiert man, wo setzt man das Ziel? „Training for the test“ ist ein gesellschaftliches Phänomen, das auch vor Gürtelprüfungen nicht Halt macht und sportlicher Erfolg wird durch Reglements bestimmt.

Doch, haben wir das Ziel aus den Augen verloren?

Reine Geisteshaltung oder Waffe

Was mir am Shotokan-Karate persönlich am besten gefällt: Zwischen diesen beiden Extremen ist in vielen Dojos Platz für einen individuellen Weg – und das ist auch das Erfolgsgeheimnis in der breiten Masse: Toleranz.

Boxen, Kickboxen, Kyukushin – das Training ist kontaktbehaftet, das Ziel ist der Kampf – das schreckt viele ab, die Systeme sind nicht tolerant – wer schwächer ist liegt später am Boden.

Ein Messer das nicht schneiden kann

Doch wer Karate mit dem Fokus trainiert nicht zu treffen, wer im Karate nicht trifft und nicht getroffen wird, kann weder eine ausgeprägte Geisteshaltung noch eine Waffe prägen. Wer nicht weiß, wie weit eine Technik reicht, was sie an Wirkung entfalten kann, weiß sich weder davor zu schützen, noch sie zielgerichtet einzusetzen.

Das Buch vermittelt Trainingsmethoden um genau diese Fähigkeiten zu erlernen

Die direkte und spürbare Rückmeldung einer Technik am Makiwara, Sandsack oder Trainingspartner dient dabei als Grundlage der Verinnerlichung und Perfektionierung zielgerichteter Techniken.

Aussagekräftiges Bildmaterial und Text stehen in gutem Verhältnis. Das Buch eignet sich als Praxisleitfaden für die Erstellung eines Trainingsplanes und durch seine interessanten Hintergrundinformationen auch als leichte Lektüre. Der Fokus ist ganz eindeutig, obwohl der Titel zunächst anderes vermuten lässt, die Praxis – nicht die Theorie.

Der Schatz des Buches „Karate -Über den Kampf“

Der wahre Schatz des Buches sind schätzungsweise 150 Seiten detailliert beschriebene und bebilderte Übungs- Trainings- und Lernmethoden rund um das Thema „Kontakttraining im Karate“, die durch weitere Seiten ergänzend mit wichtigen Hintergrundinformationen verständlich und leicht nachvollziehbar präsentiert werden.

Dabei kommen Makiwara, Sandsack, Pratzen und Partnerübungen in unterschiedlichen Formen zum Einsatz. Die vorgestellten Trainingsmethoden findet man zum Teil nur selten in deutschen Shotokan-Karate-Dojos.

Das Makiwara

Als historisches und für das Karate häufig als essentiell angeshenes Trainigsgerät widmet der Autor dem Makiwara ein gut dosiertes Mehr an Aufmerksamkeit. Aufbau, Grundlagen und Gefahren werden ebenso betrachtet, wie die Verwendung im Detail.

Besonders die Trennung des komplexen Vorganges „Training am Makiwara“ hat mir sehr gut gefallen.

Der Autor berücksichtigt dabei:

  • Aufbau eines Makiwra
  • Gründe für ein Makiwara Training
  • Gefahren beim Umgang
  • die Verwendung als Trainingsgerät
    • Phasen
    • Haltung
    • Körpereinsatz
    • Atmung
    • Blick
    • Mentale Einstellung
    • Struktur und Ziele des Trainings
    • Karatetechniken am Makiwara

Die zahlreichen Techniken am Makiware werden dann um den außergewöhnlich großen Fundus an anderen Trainingsgeräten und Szenarien bereichert, immer im Fokus die Techniken des Karate.

Der Sandsack

  • Techniken und Trainingsaufbau für Wettkämpfer und Nichtwettkämpfer

Pratzen

  • Techniken an unterschiedlichen Pratzenformen mit und ohne Partner
  • Gruppenübungen mit Pratzen

Kumite

  • Freikampf
  • Kumite – Techniken und Kombinationen konditionieren
  • Zahlreiche Übungen mit einem oder mehr Partnern

Nahkampf

Was im Training vermittelt und erlernt wurde, sollte im Nahkampf erprobt werden.

Ergänzend werden Kraftübungen gezeigt, die sich in jedes Training integrieren lassen.

Ziel des Buches

Das Buch soll über die Vermittlung geeigneter Trainingsmethoden helfen kampfentscheidende, schlagkräftige Techniken zu erlernen. Durch den geforderten Kontakt soll eine realistische Erfahrung erreicht werden, welches zuletzt zu einem überlegenen Kampfgeist führen soll – eben Karate.

Die Schlagkraft stärken – Nur Techniken gegen einen Widerstand führen zu effektiven Techniken – die Quintessenz des Buches

Kaufen sollte das Buch der ambitionierte, fortgeschrittene Karateka der kämpfen, oder sich kämpferisch weiterentwickeln möchte und keine entsprechenden Kenntnisse im eigenen Dojo erworben hat. Darüber hinaus ist jedem Trainer das Buch ans Herz gelegt, denn es vermittelt über die dargestellten Trainingsmethoden einen großen Teil der Karate Faszination, welche sich auch auf die eigenen Schüler übertragen wird.

Das Buch Karate – Über den Kampf von Michael Ehrenreich ist erschienen im Verlag Schlatt Books, es ist über die ISBN bei jedem Buchhändler oder direkt beim Verlag zu
bestellen.

schlatt-books (sake) Karate – Über den Kampf

ISBN-13: 978-3-937745-26-8

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